| Segelsprache im Alltag – Folge 4: Mit allen Wassern gewaschen |
|
Ohne es uns bewusst zu sein, segeln wir sprachlich ziemlich oft. Die Segler und Seglerinnnen der letzten paar Jahrhunderte haben sich Wörter und Wendungen geschaffen, die man als Nichtsegler gar nicht versteht. Das Sprichwort «Mit allen Wassern gewaschen», dann hat jemand einen besonderen Erfahrungsschatz, der sich für seine Mitmenschen merkbar macht. Die einen verstehen auch einen besonders witzigen Menschen unter einem Menschen, der mit allen Wassern gewaschen ist. Aber wieso diese Bedeutung? Dazu sollte man sich zuerst die Frage stellen, ob es überhaupt verschiedene Wasser gibt. In der Seemannssprache, aus der ja der Begriff ursprünglich kommt, wird sicher zwischen verschiedenen Wassern unterschieden. Und das nicht nur wegen den verschiedenen Qualitäten des Wassers, das sie mit ihren Schiffen durchfahren haben, das Schwarze Meer beispielsweise ist noch salziger als das Mittelmeer (obwohl auch da das Wasser da in den Nasenlöchern und Augen ziemlich stark brennt, wenn man aus Versehen hineinfällt). Das mit den verschiedenen Wassern ist eher vom geografischen Standpunkt her zu erklären. Das Wasser ändert sich nicht als solches, sondern durch seine Umgebung: Wenn die Seeleute vom einen in ein anderes Gebiet kommen, so ändern sich die Sitten und Gebräuche der Menschen, die an den Häfen wohnen. Andere Kulturen werden bemerkbar, wenn man von einem Ort an den anderen wechselt. Seeleute waren deshalb «mit allen Wassern gewaschen», weil sie durch ihr weit gereistes Gemüt nicht nur die Kultur in ihrer Heimat kannten, sondern mit Weltoffenheit und -erfahrung einen grossen Erfahrungsschatz gesammelt haben, was sich dann für die Menschen am Ort der Heimat bemerkbar machte. Aufgerufen: 899 | E-Mail
Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6 |
||||||||